Hier schreibe ich über die Ausstellungen, die ich in diesem Jahr besucht habe. Hast du dieselbe Ausstellung besucht? Ich freue mich über ein Feedback von dir. Diejenigen Ausstellungen, die noch aktuell sind, habe ich im Beitrag orange markiert. Hier eine Übersicht:

Still ongoing:

  • Museum Rietberg: Japan de luxe. Die Kunst der Surimono-Drucke (bis 12.07.2026)
  • Vögele Kultur Zentrum: Langeweile (bis 04.10.2026)
  • Vitra Campus: Doshi Retreat
  • Sammlung Rosengart, Luzern (Dauerausstellung)
  • Römerstadt Carnuntum bei Wien (Tagesausflug, Dauerausstellung)

Ausstellungen Februar 2026

Museum Rietberg: Japan de luxe. Die Kunst der Surimono-Drucke (bis 12.07.2026). Kennst du Surimono? Bisher waren mir nur die Ukiyo-e – die «Bilder der fliessenden Welt» – bekannt. Aber im Gegensatz zu diesen, waren Surimono nicht für den Massenmarkt bestimmt. Sie entstanden in einem intimeren Rahmen (50 bis max. 500 Exemplare), beispielsweise als Auftragsarbeiten oder zu einem speziellen Anlass wie Neujahr oder Geburtstag. Sie bilden somit eine Sonderform der japanischen Farbholzschnitte und entstanden im 18. Jahrhundert.

Prächtig gestaltet, aufwändig gedruckt und kunstvoll dekoriert – in der Ausstellung sind kostbare Exemplare zu sehen. Es sind aber nicht nur die Farben, die mich fasziniert haben, sondern auch die geistreichen Verse, die das Blatt zu einem Gesamtkunstwerk machen. Nicht selten gibt es literarische und kulturelle Anspielungen, die sich in den Gedichten und den Bildmotiven verbergen. Literarische Zirkel hielten besondere kulturelle Ereignisse fest oder veranstalteten Gedichtwettbewerbe, während Kabuki-Fans Auftritte ihrer Lieblingsschauspieler würdigten.

Die Blätter spiegeln die Vielfalt der damaligen Kulturszene. Witzig fand ich das Blatt, in dem ein älteres Paar Kaki-Früchte zum Trocknen schält. Ein besonders wertvolles Blatt füllt den Hintergrund mit Preussischblau-Pigmenten. Surimono wurden innerhalb der gebildeten Schicht verschenkt und so war es zwingend, dass Dichter, Maler und Holzschnittkünstler nicht nur poetisches und bildnerisches Geschick hatten, sondern auch das entsprechende literarische und historische Wissen. Das Zusammenspiel zwischen Hoch- und Populärkultur ist das prägende Merkmal von Surimono.

Vögele Kultur Zentrum: Langeweile (bis 04.10.2026). Wann war dir das letzte Mal langweilig? Oder vielleicht muss ich anders fragen: Wann hast du letztes Mal die Langeweile zugelassen und nicht das Smartphone hervorgenommen? Wahrscheinlich schon eine Weile her, oder? Als Kind war mir oft langweilig. Ich kann mich noch gut erinnern. Und dann wie aus dem nichts, sprudelte ich vor Ideen. Oder ich habe meine Spielsachen hervorgenommen und war plötzlich im Flow. Heute wissen wir kaum noch, was Langeweile ist. Wir kennen sie in den kurzen Momenten: Im Fahrstuhl, im Stau…

Ich habe die Langeweile in der Corona-Zeit wiederentdeckt. Einfach mal auf dem Sofa sitzen. Löcher in die Luft starren. Die Gedanken fliessen lassen. Nichts tun. Herrlich! Ich liebe es! Diese Stille, kein Input…und dann passiert es wieder, wie damals als ich Kind war: Die Ideen kommen. Vielleicht auch unangenehme Gefühle, die verarbeitet werden wollen. Mein Blog, mein Podcast, die Kunstladies – all diese Dinge würden heute nicht existieren, wenn ich damals die Langeweile nicht aktiv in mein Leben eingeladen hätte.

Doch was für mich ein Segen ist, ist für andere eine Horrorvorstellung. Viele Menschen wollen die Langeweile vertreiben. Denn sie hält uns einen Spiegel vor, zeigt uns womit wir uns beschäftigen sollten. Die Frage ist nur: Wollen wir das auch? Die Ausstellung ist aber alles andere als langweilig – du kannst sogar das Gras wachsen hören. Ich konnte nochmals eine neue Sicht auf das Thema gewinnen, denn es werden viele Blickwinkel aufgezeigt, z.B. Langweile zu zweit. Welche Bedeutung hat Langeweile für dich? Ist sie anstrengend oder bereichernd?

Ausstellungen Januar 2026

Vitra Design Museum: The Art of the Fashion Show (bis 15.02.2026). Sie sind ein Spektakel; die Kleider der Models prägende Statements. Heute dauern Modeschauen kaum noch 15min., doch die Bilder gehen innert kürzester Zeit um die ganze Welt. Die Ursprünge der Modeschau waren etwas ruhiger und gehen ins späte 19. Jahrhundert zurück als Pariser Couturiers anfingen im diskreten Ambiente ihrer Salons Modellkleider von Mannequins präsentieren zu lassen. Um mehr Aufmerksamkeit bzw. mehr Kundinnen zu gewinnen, mussten sie kreativ werden. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges gelang es Paris sich als globale Modehauptstadt zu behaupten.

Spektakulär war die Modeschau von Missoni im Jahr 1967 in Mailand, welche in einem Schwimmbecken stattfand. Das Model sitzt auf einem aufblasbaren Designer-Möbel, welches von einem schwimmenden Mann gestossen wird. Die Show war ein Meilenstein in der Transformation von Modeschauen zu Performance-Events.

Im 21. Jahrhundert wandelten sich Modeschauen zu aufwändig inszenierten Gesamtkunstwerken. Jetzt müssen Bühnenbild, Licht und Sound aufeinander abgestimmt sein. Durch den Konkurrenzdruck werden die Shows zu globalen Ereignissen, die weit über das Präsentieren der Kollektion hinausgehen. So machte Karl Lagerfeld für Chanel das Pariser Grand Palais mit spektakulären Kulissen zu immersiven Erlebnissen. Alexander McQueen ist bekannt für seine provokanten, theatralischen Spektakel. Die Ausstellung zeit die historische Entwicklung von Fashion Shows.

Museum Rietberg: Mongolei. Eine Reise durch die Zeit (bis 22.02.2026). Woran denkst du, wenn du den Begriff Mongolei hörst? Weite Steppen, unberührte Natur, grasende Pferde, Dschingis Khan? Wahrscheinlich kaum an extreme Luftverschmutzung, Verkehrschaos und Armut. Dies ist jedoch Alltag für die 1.7 Millionen Menschen, die in der Hauptstadt Ulaanbaatar leben. Nur die Minderheit der Bevölkerung lebt auf dem Land. Dort hat jeder Mensch im Schnitt 1km² zur Verfügung. In der Stadt leben 7850 Einwohner auf derselben Fläche. Nur eine sehr kleine Minderheit ist wohlhabend. Vor allem die jungen Leute strömen in die Städte, denn sie sind Zentren für Bildung und Handel. Die wenigsten wollen heute als Nomaden leben.

Die Ausstellung zeigt die Geschichte der vier wichtigsten Städte der Mongolei und deren Entwicklung auf. Neueste Forschungsergebnisse und Objekte, die zum ersten Mal ausserhalb der Mongolei gezeigt werden, geben uns eine neue Perspektive auf das Land. Grosse Stadtsiedlungen gab es bereits im 2. Jahrhundert. Menschen unterschiedlichster Herkunft lebten zusammen, was schriftliche Quellen belegen. Kostbare Waren sind ein Beweis für einen weltweiten Handelsaustausch. Kennst du die wichtigsten, historischen Städte der Mongolei? Karakorum (3. Jh.) – die ehemalige Hauptstadt des Mongolenreichs, Karabalgasun (8- Jh.) – die mächtigste Stadt des Uiguren-Reichs und die Drachenstadt der Xiongnu (1. Jh.). Im Museum treten zeitgenössische Künstler in den Austausch mit historischen Artefakten und spannen den Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Und natürlich muss ich noch auf ihn eingehen 😉 Dschingis Khan sowie seine Söhne und Enkel eroberten ein Reich, das in seiner Grösse bis heute unübertroffen geblieben ist: von Korea im Osten bis Ungarn im Westen, von Sibirien im Norden, bis Vietnam und Nordindien im Süden.

Alle Bilder: eigene Aufnahmen aus den Ausstellungen